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TSV 1860 München pirscht sich heran – Drei Siege, neue Leidenschaft und Aufstiegshoffnung

TSV 1860 München: Geht noch was im Aufstiegskampf der 3. Liga?

9. Dezember 2025 | Autor: Uli Kellner

Die Stimmung beim TSV 1860 München hat sich in kürzester Zeit komplett gedreht. Vor wenigen Wochen noch vom Regensburg-Debakel und Abstiegsängsten geprägt, herrscht jetzt neue Zuversicht an der Grünwalder Straße. Drei Siege in Serie, sichtbare Geschlossenheit und ein klarer Plan von Trainer Markus Kauczinski – plötzlich scheint der Blick nach oben wieder erlaubt. Doch wie realistisch ist der Traum vom Aufstieg wirklich?

Vom Tiefpunkt zur Trendwende: Der 9. November als Wendepunkt

Als die Löwen am 9. November in Regensburg mit 0:4 untergingen, schien die Stimmung am Boden. Fans sprachen von einem Déjà-vu, Erinnerungen an den Absturz von 2017 wurden wach. Doch Kauczinski reagierte besonnen. Kein öffentliches Donnerwetter, kein Aktionismus – stattdessen Analyse, ruhige Gespräche und gezieltes Training während der Länderspielpause. „Wir haben an unserer Haltung gearbeitet“, sagte er später. „Nicht alles infrage stellen, sondern verbessern, was wir selbst beeinflussen können.“

Das Ergebnis: Drei Wochen später war die Welt eine andere. Nach Siegen über Saarbrücken (2:0), Ulm (1:0) und Schweinfurt (3:1) kletterte 1860 vom 14. auf den 9. Tabellenplatz. Plötzlich sind die Abstiegsränge vier Punkte entfernt – und der Relegationsplatz nach oben ebenfalls nur vier Punkte weit weg. Der Löwe hat sich zurückgemeldet.

Der neue Kauczinski-Effekt: Ruhe, Struktur, Leidenschaft

Markus Kauczinski hat das geschafft, was vielen Vorgängern schwerfiel: Er hat die Mannschaft vereint. Der neue Trainer spricht nicht von Systemen, sondern von Überzeugungen. Seine Philosophie: klare Abläufe, hohe Intensität und Vertrauen in den Kader. Spieler, die unter dem vorherigen Trainer Patrick Glöckner stagnierten, blühen auf – allen voran Siemen Voet, Max Christiansen und Sigurd Haugen.

„Wir kämpfen wieder als Team“, sagte Voet nach dem dritten Sieg in Serie. „Jeder läuft für den anderen. Und wenn einer grätscht, jubeln alle.“ Besonders sinnbildlich dafür war die Szene in der Schlussphase gegen Schweinfurt: Kevin Volland sprintete an die eigene Eckfahne und klärte mit vollem Einsatz – eine Aktion, die das Stadion zum Beben brachte. Solche Momente zeigen, dass das Feuer zurück ist.

Statistisch stabil: 1860 in der besten Form seit Monaten

Seit Kauczinskis Amtsantritt haben die Löwen fünf ihrer sieben Spiele gewonnen – eine Quote, die sie in die Spitzengruppe der Formtabelle katapultiert. Mit einem Punkteschnitt von 2,14 liegt der neue Coach auf einem Niveau mit Spitzenreiter Energie Cottbus. „Wir wissen, dass das nur eine Momentaufnahme ist“, betont Kauczinski. „Aber sie zeigt, was in der Mannschaft steckt.“

Nach 17 Spieltagen stehen 27 Punkte zu Buche – mehr als zu vergleichbaren Zeitpunkten in den Köllner-Jahren 2020/21 oder 2022/23. Setzt sich dieser Trend fort, könnte 1860 zur Rückrunde tatsächlich an die Aufstiegsplätze heranrücken. In einer Liga, in der zwischen Platz 3 und Platz 12 oft nur wenige Punkte liegen, ist alles möglich.

Teamgeist statt Einzelglanz

Die aktuelle Erfolgsserie basiert nicht auf einem überragenden Torjäger oder einem taktischen Trick, sondern auf kollektiver Geschlossenheit. Raphael Schifferl organisiert die Defensive, Thore Jacobsen lenkt das Spiel aus der Zentrale, und im Angriff rotieren Volland, Haugen und Patrick Hobsch variabel. Besonders Hobsch, der zuletzt wiederholt von der Bank kam, zeigte Joker-Qualitäten und verleiht dem Löwen-Angriff zusätzliche Tiefe.

„Wir haben eine gute Balance gefunden“, analysiert Kauczinski. „Wir sind griffiger im Zweikampf, mutiger im Ballbesitz und ruhiger in der Entscheidungsfindung.“ Er betont jedoch, dass man sich von Euphorie nicht leiten lassen dürfe: „Es sind noch 21 Spiele. Wir haben nichts erreicht – außer, dass wir wieder leben.“

Die Fans als 12. Mann: Giesing lebt wieder

Auch das Publikum trägt zum Aufschwung bei. Das Grünwalder Stadion ist wieder ein Ort der Gänsehaut. Lautstarke Unterstützung, Choreografien und ständige Anfeuerungen erinnern an bessere Zeiten. Gegen Schweinfurt verwandelten über 15.000 Zuschauer das altehrwürdige Stadion in ein Tollhaus. „Man merkt einfach, wie sehr diese Fans die Mannschaft tragen“, sagt Sportchef Manfred Paula. „Diese Energie springt über.“

Das Verhältnis zwischen Fans und Mannschaft – zuletzt abgekühlt – scheint repariert. Der Zusammenhalt ist zurück. Und das ist beim TSV 1860 immer der erste Schritt zu sportlichem Erfolg.

Der Blick nach vorn: Ingolstadt, Verl und dann die Winterpause

Vor Weihnachten warten noch zwei Spiele: beim FC Ingolstadt und daheim gegen den SC Verl. Mit zwei weiteren Siegen könnten die Löwen mit 33 Punkten in die Winterpause gehen – ein Wert, der selbst in den besten Drittliga-Jahren selten erreicht wurde. In diesem Fall wäre 1860 endgültig zurück im Aufstiegsrennen.

Doch Vorsicht ist angebracht: Die Dritte Liga bleibt unberechenbar. Verletzungen, Sperren oder Formschwankungen können jede Serie stoppen. Kauczinski weiß das. Deshalb betont er immer wieder, wie wichtig Demut und Konstanz sind. „Ich freue mich, dass wir stabil geworden sind“, sagte er nach dem Sieg über Schweinfurt. „Aber das nächste Spiel beginnt wieder bei null.“

Fazit: Zwischen Realität und Hoffnung

Ob 1860 tatsächlich um den Aufstieg mitspielen kann, wird sich erst im Frühjahr zeigen. Fakt ist: Der Verein hat wieder Struktur, Emotion und sportliche Perspektive. Der neue Trainer hat die Löwen aufgerichtet – mit einer Mischung aus Erfahrung, Geduld und Klarheit. Die Mannschaft wirkt gefestigt, die Fans glauben wieder an ihr Team.

Der TSV 1860 München steht vielleicht noch nicht auf den Aufstiegsrängen, aber er hat wieder das, was ihn über Jahrzehnte ausgezeichnet hat: Herz, Leidenschaft und Stolz. Und wer weiß – vielleicht kann der Löwe 2025/26 tatsächlich wieder brüllen, wenn es im Mai um die Rückkehr in die 2. Bundesliga geht.

Bis dahin gilt, was Siemen Voet nach dem Spiel gegen Schweinfurt sagte: „Wir dürfen träumen – aber wir müssen arbeiten.“

TSV 1860 München – Löwen-Reporter